Tour de Tours
Heute Morgen ist es ein etwas zähes Aufstehen. Nicht nur für mich, auch für Alejandro, denn wir hatten gestern noch gemeinsam eine Flasche Wein. Während der mich allerdings eher aufgewühlt hat, ist Alejandro schnurstracks ins Zelt und nach wenigen Minuten erlosch auch sein Handylicht. Ich bin noch etwas durch die Gegend gewandert und habe mich mit dem Betreiber des Campingplatzes unterhalten, einen absolut gut gelaunten und geselligen Typen. Ich fragte ihn, ob er viele Deutsche beherbergt und er sagte:
„Weißt du die Deutschen sind Gewohnheitstiere. Sie kommen auf der Hinfahrt zum Atlantik hier vorbei und auf der Rückfahrt wieder.“
„Ja, ich weiß, wir Deutschen fühlen uns wohl, wo wir uns auskennen.“
Er lachte und meinte: „Ist immer die erste Frage bei euch Deutschen: Wo ist Lidl?“
Er meinte aber, es wäre okay. Und vermutet, den Deutschen seien ihre Sprachdefizite peinlich. Also kommen sie an, bezahlen schweigend und fahren am nächsten Morgen wieder. Die Niederländer seien da völlig anders.
„Die haben immer tausend Fragen, und wenn sie mit Dingen nicht zufrieden sind, dann pochen sie auf eine Lösung. Das nervt mich schon manchmal. Schlimmer sind aber meine eigenen Landsleute. Wollen nicht mehr als zehn Euro bezahlen, verlangen aber Service für 100.“
Und es stimmt. Wenn was in Frankreich in der Regel sehr günstig ist, dann sind es Campingplätze. Während alles andere echt happig teuer ist.
Für Alejandro und mich geht es heute weiter nach Tours. Einer im Kern hübschen Stadt. Aber wie alle anderen bisher besuchten französischen Städte ist das Umfeld eher schwierig. Man fährt oftmals kilometerweit durch wirklich unansehnliche bis hässliche Vorstädte, landet dann in einer Mittelalterkulisse und verlässt die Stadt – durch wirklich unansehnliche bis hässliche Vorstädte.
Umso mehr freue ich mich, hier mit dem Rad unterwegs zu sein. Denn was Frankreich an Natur zu bieten hat, ist unglaublich. Traurig für den, der immer nur über die Autobahn von Stadt zu Stadt rast. Der bekommt von der schönen Landschaft und den netten Menschen zwischendurch überhaupt nichts mit.
Mit Alejandro zu fahren ist fantastisch. Er ist viel offener als ich und findet immer sofort Anschluss. So auch zu Delfine und Thomas aus Belgien, die am Nordkap waren und von da aus die Strecke nach Santiago de Compostela machen. Bis Mitte November haben sie noch Zeit, dann müssen sie zurück sein. Leider trennen sich unsere Wege nach nur 20 gemeinsamen Kilometern wieder.


Abends, am Campingplatz in Tours treffen wir sie und Albert jedoch wieder. Die beiden belgischen Radler wollen sich die Stadt anschauen, bleiben also zwei Nächte. Wir hingegen wollen morgen nach Chátellerault.
Dazu aber morgen mehr.
Euer Georg





